Seppel der kleine Agypter
Hallo, ich bin Seppel, und darf euch meine Geschichte erzählen.
Es ist Juni, in meiner Heimat Hurghada, in Ägypten, ist es schon richtig warm. Ich wohne in einem grossen Hotel. Meine Mama kam eins Tages nicht mehr nach Hause. Als ich noch ganz klein war. Auch meine Geschwister warn eines Tages fort und ich blieb alleine und traurig zurück. Einige ältere Hotelkatzen haben sich meiner angenommen, so konnte ich überleben. Mit meinen ca 8 Wochen habe ich schon einiges erlebt. Meine Katzenkumpels sagen ich bin ein Herzensbrecher, die Touristen nennen mich Habibi ... Das heisst Liebling.

ich und meine damaligen Katerkumpels
Da ich noch klein bin und sehr gerne kuschle, habe ich einen grossen Traum: Ich möchte so gern eine große Familie haben. Dafür muss ich mir etwas einfallen lassen.
An einem besonders heissen Tag mache ich es mir mal also mal wieder in der Lobby gemütlich, da ist es schön kühl, und beobachte die Ankunft der neuen Touristen. Eine wunderschöne Frau mit ganz hellen Haaren und ein stattlicher Mann, offensichtlich ein Ehepaar, schlendern gerade herein und werden mit grossen Hallo begrüsst. 
Während ich über meine Vorgehensweise nachgrüble, muss ich wohl eingeschlafen sein. Denn als ich wach wurde waren sie verschwunden.

Weit können sie nicht sein, und nachdem es gleich Essenszeit ist, laufe ich nix wie los zum Restaurant und postiere mich strategisch günstig mitten in der Eingangshalle. Als ich mich strategisch günstig mitten in der Eingangstüre postiere bekomm ich zwar ein paar böse Blicke, die Kellner sagen ich soll verschwinden. Ich verstecke mich hinter einer Säule und beobachte die Menschen. Ein paar böse Blicke der Kellner veranlassen mich, mich auf meinen Beobachtungsposten hinter der Säule zu verstecken. Mein Herz macht einen Sprung, als ich das von mir erwählte Ehepaar entdecke, sie sehen mich auch, verlieren mich aber aus den Augen, als mich der Kellner verjagt.
Als sie gegessen haben schleiche ich hinter ihnen her. 
Sie sind müde von der langen Reise und gehen früh auf ihr Zimmer. "OK, ich kann warten, irgendwann müssen sie ja wieder rauskommen," denk ich mir. 

Als es hell wird sind sie noch immer nicht wach also beschliesse ich, sie auf mich aufmerksam zu machen. Ich fange um 7 Uhr an vor ihrer Tür zu mauzen. Man kann doch nicht so lange schlafen ! Plötzlich  öffnet sich die Türe. Der stattliche Mann sagt: " Barbara, schau wir haben Besuch!" Und zu mir sagt er:" Komm rein, du bist bestimmt hungrig." Ich bekomme Futter und dann hab ich einfach meinen ganzen Mut zusammen genommen, bin bei Barbara auf den Schoss gehüpft, hab mich schnurrend zusammengerollt und bin gleich eingeschlafen. 

Was soll ich euch sagen, ich weiss, ich werde 2 traumhafte Wochen mit meinen neuen Menschenfreunden verbringen. Jo und Barbara sagen mir, dass sie am Abend wiederkommen, denn sie wollen zu den grossen Fischen und Muränen. Ich soll artig sein und sie würden sich freuen, mich wieder zu sehen. 

Am Tag spiele ich mit meinen Freunden und den Kindern im Hotel. Die Zeit vergeht wie im Flug, schon ist Abend, ich muss mich beeilen damit ich meine neuen Freunde nicht verpasse und sause los. 2 wunderschöne Tage verbringe ich mit Jo und Barbara. Den Abend und die Nacht verbringe ich im Hotelzimmer, am Tag bin ich draußen. das Leben ist schön! Ein bisschen wehmütig wird mir, wenn ich daran denke, dass die beiden bald abreisen und ich nicht mit kann.
Denn ich weiß dass ich MEINE Menschen gefunden habe - aber SIE wissen es noch nicht.
Es passiert nichts aussergewöhnliches, bis wieder neue Touristen ankommen, mit Kindern, von denen werden ich nicht freundlich begrüsst, sie zischen, hau ab Katze.... Ich nehme mir vor um diese Menschen einen grossen Bogen zu machen. 1 Tag später habe ich verschlafen, im Schatten, unter einer Palme bin ich eingedöst, ich muss mich beeilen, denn meine Freunde werden mich schon suchen und so laufe ich los und achte nicht darauf wer mir da begegnet... Es sind die Jugendlichen die mich nicht mögen.

Sie fangen mich, ich wehre mich, habe schreckliche Angst, mein kleines Herz rast, ich rufe um Hilfe aber keiner hört mich. Sie schlagen mich und treten mit den Füssen nach mir. Nach endlos langer Zeit hören die Schläge und Tritte auf ich bleibe erschöpft liegen, blute und habe starke Schmerzen, mit meinem Pfötchen stimmt etwas nicht, ich kann es nicht belasten. Ich habe nur einen Gedanken ich muss es zu Jo und Barbara schaffen. Ich schleppe mich so weit ich kann, aber die Kräfte verlassen mich, und ich breche zusammen. 

Als ich wach werde bin ich bei Jo und Barbara. Sie haben nach mir gesucht und mich am Weg zum Restaurant zum Glück gefunden. Beide haben Tränen in den Augen, reden aber beruhigend auf mich ein, dass alles gut wird, und sie mich jetzt zum Tierarzt bringen.
Ganz vorsichtig reinigen sie meine vielen Wunden. Jo hatte den Doktor Waheed angerufen, der sich hier im Hotel auch um die Katzen kümmert und den Jo gut kennt, und ihm um Hilfe gebeten, da er sich gerade in Kairo aufhielt, schickte er seinen Assistenten um mich abzuholen. Es klopft an der Türe ein Mann kommt herein hebt mich vorsichtig hoch und bringt mich weg. Jo sagt mir, dass ich zum Tierarzt gebracht werde, damit ich wieder ganz gesund werde. Wieder habe ich Angst, ich weiss nicht was mit mir passiert, aber ich bin auch voller Hoffnung dass wirklich alles gut wird, denn ich vertraue meinen Menschen. Der nette Mann bringt mich in ein grosses Gebäude, der Tierarzt wartet schon auf mich, ich bekomme eine Spritze und schlafe ein. Als ich das nächste mal wach werde, habe ich Schmerzen, ich habe einen dicken Verband um mein Pfötchen, werde gut versorgt, aber ich fühle mich einsam. 

Plötzlich höre ich Stimmen, ich spitze meine Ohren, ich kann es kaum glauben meine Freunde kommen und besuchen mich. Ich schnurre vor Freude und genieße den kurzen Besuch. Dann höre ich wie sie mit dem Arzt sprechen, ich höre Deutschland und Papiere, was das zu bedeuten hat weiss ich noch nicht, da ich noch ganz schwach bin schlafe ich schnell wieder ein. Am nächsten Tag geht es mir schon ein bisschen besser, ich bekomme wieder Besuch.

Jo sagt zu mir, " Seppel du kommst mit uns nach Deutschland, wenn du dich mit unseren beiden Katzen gut verstehst dann bleibst du für immer bei uns, denn hier lassen werden wir dich nicht. " Bevor ich geschwächt von dem Erlebten der Behandlung und den Medikamenten gegen die Schmerzen, wieder einschlafe, denke ich noch, kann es sein dass sie erkannt haben dass wir zusammen gehören, für immer, das wäre zu schön um wahr zu sein. Ich erhole mich langsam, die Schmerzen werden dank der Medikamente weniger, ich kann essen und komme wieder ein bisschen zu Kräften.
2 Tage später ist es dann so weit. Jo und Barbara haben es mit Hilfe des Tierarztes geschafft alle Papiere zu bekommen und ich darf mit ihnen nach Deutschland reisen. Ich bin aufgeregt als es los geht, mein kleines Herz klopft aufgeregt, diesmal vor Freude, ich werde bei meinen Menschen bleiben, da bin ich sicher. In meiner Transportbox mache ich mich ganz klein. Ein bisschen Angst hab ich in dem grossen lauten Flugzeug schon, aber ich darf im Passagierraum mitreisen, weil Jo für mich ein eigenes Ticket gekauft hat und ich noch keine 6 kg wiege. Ich schlafe wieder ein, wach werde ich als es rumpelt, Jo sagt zu mir "Seppel wir sind gelandet, nun beginnt dein neues Leben" Am Zoll gab es keine Probleme, da meine Papiere in Ordnung sind. Ich musste auch nicht in Quarantäne, sondern durfte gleich mit in mein neues Zuhause. 

Der Kater Muschmann und die Katze Muzele machen grosse Augen, als sie sehen welche Überraschung ihre Menschen mitgebracht haben. Sie springen nicht gerade vor Begeisterung in die Luft, aber weil ich noch schwach und krank bin sind die beiden ausgesprochen lieb zu mir, und nehmen mich in ihrer Familie auf. Nun brauche ich noch einen Namen. Schnell ist klar ich werde Seppel heissen. Der Name gefällt mir sehr gut. Nach einigen Wochen und noch vielen Besuchen beim Tierarzt, habe ich alles gut überstanden,ich bin wieder ganz gesund. Wir sind glücklich, nicht mal das kalte Wetter macht mir etwas aus. Wie ihr sehen könnt habe ich alle um das Pfötchen gewickelt. Das allerschönste ist jedoch dass mein Traum wahr wurde. Ich habe eine Familie, MEINE Familie.
P.S. Die deutsche Küche finde ich einfach köstlich. Viel besser als Maus die nach Sand schmeckt.
Text: Sandra Kreuzer
Fotos: Joachim Höfling
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